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Die 'Lernende Schule'

 

 


Bildungsstandards

Standards für die Arbeit von Schulen wurden seit Mitte der 1980er Jahre in vielen Staaten eingeführt. Nun werden sie auch in Deutschland als zentrales Instrument der Qualitätsentwicklung gehandelt. Einige Länder wie z. B. Baden- Württemberg, aber auch Brandenburg und Nordrhein-Westfalen, haben ihre Lehrpläne durch Standards oder vergleichbare Dokumente („Qualifikations-erwartungen“, „Kerncurricula“) ergänzt, und im Dezember 2003 einigte sich die Kultusministerkonferenz (KMK) auf erste nationale Standards. 

So hat die Kultusministerkonferenz am 4. Dezember 2003 Bildungs-standards für den Mittleren Schulabschluss in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, Französisch (erste Fremsprache) beschlossen. Hinzu gekommen sind inzwischen Bildungsstandards für den Mittleren Abschluss in den naturwissenschaftlichen Fächern, Bildungsstandards für den Primarbereich (Jahrgangsstufe 4) in den Fächern Deutsch und Mathematik und Bildungsstandards für den Hauptschulabschluss (Jahrgangsstufe 9) in den Fächern Deutsch, Mathematik und erste Fremdsprache.

Die Bildungsstandards

-greifen die Grundprinzipien des jeweiligen Unterrichtsfaches auf

- beschreiben die fachbezogenen Kompetenzen einschließlich zugrunde liegender Wissensbestände, die Schülerinnen und Schüler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Bildungsganges erreicht haben sollen

- zielen auf systematisches und vernetztes Lernen und folgen so dem Prinzip des kumulativen Kompetenzerwerbs

- beschreiben erwartete Leistungen im Rahmen von Anforderungsbereichen

- beziehen sich auf den Kernbereich des jeweiligen Faches und geben den Schulen Ge-staltungsräume für ihre pädagogische Arbeit

- weisen ein mittleres Anforderungsniveau aus

- werden durch Aufgabenbeispiele veranschaulicht.

Bildungsstandards dienen der Schul- und Unterrichtsentwicklung, sie liefern notwendige Parameter zur internen und externen Evaluation. Die Standards verpflichten die Schulen einerseits zur Rechenschaftslegung über ihre Ergebnisse, sie ermöglichen andererseits aber auch zugleich mehr Eigenverantwortung der Schulen. Damit können die Standards zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Schulen beitragen. Sie fordern allerdings auch alle an Schule Beteiligten dazu auf, die Einhaltung der Standards über individuelle Förderung zu ermöglichen.

Bildungsstandards sind in Rheinland-Pfalz eingebettet in die allgemeine schulische Qualitätsentwicklung. Insofern ist ihre Implementation als Teil der Schulprogrammentwicklung mit Focus auf Unterrichtsentwicklung zu sehen.

Im Rahmen der Qualitätsprogrammarbeit sind die Kollegien, die Fachkonferenzen, die Jahrgangsteams und Klassenteams aufgefordert, auf der Basis von Standards und Erwartungshorizonten ihre schuleigenen, d.h. auf die Situation der Einzelschule bezogenen, Arbeitspläne zu entwickeln.

Seit Ende 2005 besteht das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) als wissenschaftliche Einrichtung der Länder an der Humboldt-Universität in Berlin. Hauptaufgabe des Instituts ist die Überprüfung und Weiterentwicklung der Bildungsstandards. 

Derzeit werden Aufgabenpools entwickelt, die sowohl die Erstellung als auch die Verortung der landesspezifischen Aufgaben, aber auch der Klassenarbeiten erlauben. Damit werden neue Formen der Vergleichbarkeit von Lernergebnissen und der Rechenschaftslegung in unserem Bildungssystem etabliert.

Um die Arbeit mit den Standards zu erleichtern, wurden in Rheinland-Pfalz zusätzlich so genannte Erwartungshorizonte für die Fächer Deutsch, Mathematik, Erste Fremdsprache und Naturwissenschaften erarbeitet.
Die Erwartungshorizonte beschreiben, in welchem Umfang und auf welchem Niveau die geforderten Kompetenzen am Ende der Klassenstufe 6 und am Ende der Klassenstufe 8 erreicht sein sollen. Zur Konkretisierung stehen zusätzlich in allen Fächern Beispielaufgaben zur Verfügung. 

 

Weitere Informationen zum Thema Bildungsstandards erhalten Sie über die Infoseite des MBWJK.

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Chancen und Risiken der Bildungsstandards

 

Die Bildungsstandards, die zugehörigen Aufgabenbeispiele und Kompetenzmodelle dienen zunächst einmal als Orientierungspunkte. Sie helfen den Lehrkräften, langfristige Lernprozesse zu planen und unterschiedliche Lernstände ihrer Schülerinnen und Schüler zu verstehen. Dies setzt aber eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Standards, z. B. in Fachkonferenzen, und entsprechende Fortbildungen voraus. 

Umstritten ist die Frage, welche Bedeutung Bildungsstandards und zugehörige Tests für die Beurteilung oder gar Benotung und Zertifizierung einzelner Schüler haben. 

Die mit den Standards verknüpften Leistungserwartungen bieten inhaltliche Kriterien an, die natürlich für die Diagnose von Schwächen und Stärken und damit auch für die individuelle Förderung von Schülerinnen und Schülern genutzt werden können. Tests, die im Rahmen von landes- oder bundesweiten Studien durchgeführt werden, reichen aber als Basis einer individuellen Förderempfehlung im Regelfall nicht aus, weil hier ein Untersuchungsdesign verwendet wird, bei dem nicht alle Schülerinnen und Schüler alle Testaufgaben bearbeiten. 

Für die individuelle Beurteilung von Schülerinnen und Schülern sind das gesamte individuelle Leistungsspektrum, die individuellen Lernfortschritte, die Lernbereitschaft und Lernperspektiven von Bedeutung. Wenn Standards gar vorschnell und kurzschlüssig für die Leistungsselektion von Schülerinnen und Schülern genutzt werden, unterbleiben Anstrengungen für eine individuelle Förderung und Unterstützung beim Kompetenzerwerb. 

Auch die Qualität einer Schule lässt sich nicht allein an dem durchschnittlich erzielten Kompetenzniveau in ausgewählten Fächern bzw. dem Grad der Standarderfüllung einer Schule festmachen. Auch hier sind die schulische Ausgangslage und die spezifischen Ziele einer Schule mit zu berücksichtigen; neben Leistungskriterien müssen Schulklima und Schulkultur, soziales Lernen, Partizipation und anderes berücksichtigt werden.  Ein Ranking von Schulen auf der Basis von Standards dürfte deren Akzeptanz in den Schulen in Frage stellen und den konstruktiven Umgang mit ihnen eher behindern. 

Um die Standards nicht nur als externes Kontrollinstrument und zusätzliche Belastung für den Unterricht zu erfahren, sondern als Instrument der Qualitätsentwicklung nutzen zu können, brauchen Lehrkräfte gerade in der kritischen Einführungs- und Übergangsphase Unterstützung durch schulinterne und schulexterne Fortbildung sowie durch konstruktive Anwendungsbeispiele. Ansonsten sind schematische Reaktionen von einer allgemeinen Abwehrhaltung gegenüber den Standards bis hin zu einer einseitigen Übung von Testaufgaben (teaching to the test) bei den Lehrkräften nicht auszuschließen. 

Im Bewusstsein des aktuellen Entwicklungsstands und der spezifischen Eigenschaften von output-bezogenen Bildungsstandards sehen wir in ihnen eine Chance für die Qualitätsentwicklung in Schule und Unterricht und für das professionelle Handeln der Lehrkräfte. 

Gerade weil Bildungsstandards durch ihren Bezug auf Kompetenzmodelle voraussetzungsvoll sind, stellt der Umgang mit ihnen ein Potential für die professionelle Entwicklung von Lehrkräften dar. Da Kompetenzmodellen systematische und fachdidaktisch begründete Konzepte der Kompetenzstufung und Kompetenzentwicklung zu Grunde liegen, bieten diese auch ohne detaillierte Kenntnis von Test- und Skalierungsverfahren Möglichkeiten für das professionelle Lernen in den Fach- und Gesamtkollegien. 

Als Referenzsystem für das unterrichtliche und professionelle Handeln der Lehrkräfte lenken die Bildungsstandards die Aufmerksamkeit auf langfristig angelegte und aufeinander aufbauende Lernprozesse und -ergebnisse und damit auf das nachhaltige Lernen von Schülerinnen und Schülern. Der Fokus auf das kumulative Lernen und den nachhaltigen Kompetenzaufbau setzt eine langfristige Unterrichtsplanung, eine Verständigung und regelmäßigen Austausch über die Unterrichtspraktiken unter den Lehrkräften voraus, die Ausgangspunkt für dauerhafte professionelle Lerngemeinschaften sein können. 

Diese Auseinandersetzung um Lernstände und Lernperspektiven sollte darüber hinaus nicht nur in den Lehrerkollegien statt finden, sondern nach Möglichkeit auch die Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern einbeziehen und für ein nachhaltiges Lernen aktivieren. 

 

 

 

 

 

 

   

 

 

Impressum und Disclaimer

         

Carl-Orff-Realschule plus - Kanalstraße 19 - 67098 Bad Dürkheim