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Die 'Lernende Schule'

 

Zur Notwendigkeit einer systematischen Schulent-wicklung:

 

In gleichem Maße wie die Gesell-schaft sich verändert, muss auch die Schule als Teil der Gesell-schaft sich verändern und sich mit den veränderten gesell-schaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Die Globalisierung der Arbeitsmärkte, die Internationalisierung der Gesellschaft, die Pluralisierung bei gleichzeitiger Individualisierung, die Erfordernisse auf dem Weg zur Informationsgesellschaft, neue Kommunikationstechnologien und neue Medien, Arbeitslosigkeit und soziale Dissoziierung, Werte-pluralismus und die Verlagerung von mehr und mehr Erziehungs-verantwortung auf die Schule, sind verantwortlich für den wachsenden Anspruch an die Qualität von Schule.
In unserer modernen Wissensge-sellschaft, in der professionelles Wissen eine grob geschätzte Halbwertzeit von fünf Jahren aufweist, in einigen Hoch-technologiebereichen eine noch deutlich kürzere, müssen wir feststellen, dass gleichsam mit dieser zunehmenden Erosion des Wissens die Notwendigkeit wächst, sich den Herausforder-ungen der gesellschaftlichen Wandlungsprozesse zu stellen. Die „Behaltensschulung“ kann (und darf) nicht mehr länger Leitmotiv unseres Bildungs-wesens sein. Wir müssen weg von der Behaltensschulung, hin zu einer Ermöglichungsdidaktik, die nachhaltiges Lernen und Kompetenzentwicklung fördert.
Nur durch einen nachhaltigen Lernkulturwandel kann es uns gelingen, die uns anvertrauten jungen Menschen fit für die Zukunft, fit für Veränderungen, zu machen.
Auch die Lehrerinnen und Lehrer müssen für diese Veränderungen vorbereitet werden und es muss die Aufgabe eines systematischen und planvollen Schulentwicklungsprozesses sein, „das Selbstkonzept und die pädagogischen Orientierungen von Lehrerinnen und Lehrern weiter zu entwickeln, sie mit dem Wandel des Wissens vertraut zu machen und sie im Gebrauch der Strategien und Methoden zur Kräfteschulung zu professionalisieren“. (Arnold Rolf: Leadership und Lernkulturwandel, S. 8,Kaiserslauetern 2001)
Die in der Schule Handelnden müssen in die Lage versetzt werden, ihnen müssen Methoden und Strategien an die Hand gegeben werden, ihre Arbeit erfolgreich durchführen zu können. Eine systematische Personalentwicklung ist also unabdingbar und muss elementarer Bestandteil jedes schulischen Qualitätsprogramms sein. Personalentwicklung muss stets als Gesamtkonzept verstanden werden, das Personalfortbildung, Personal-führung und Personalförderung umfasst. Die Bedeutung von Personalentwicklung wird noch dadurch verstärkt, dass die Einzelschulen immer mehr Autonomie erhalten und somit selbst „als Motor der Schulent-wicklung“ auch für Personal-entwicklung verantwortlich sind.

Auch schulische Führungskräfte müssen ihre Aufgabe der Personalentwicklung verstärkt  als eine Arbeit an sich selbst begreifen und ständig darum bemüht sein, eigene Verhaltensmuster zu erkennen und fremdes nicht mit vertrauten Mustern oder Rezepten zu verzerren.

Schule als 'Lernende Organisation'

Die durch den gesellschaftlichen Wandel und die veränderten politischen Rahmenvorgaben bedingten, neuen Anforderungen an Schule, haben zu einer Neubestimmung der Aufgaben, Organisation und dem Selbstverständnis von Schule geführt.
Gegenwärtig jedenfalls stehen Schulen vor der Herausforderung, dass das schon seit geraumer Zeit in Frage gestellte Selbstverständnis von der Schule als belehrender Anstalt abgelöst wird vom Leitbild der Schule als lernender Organisation.
Eine lernende Organisation ist eine „Organisation, in der die Menschen kontinuierlich die Fähigkeit entfalten, ihre wahren Ziele zu verwirklichen, in denen neue Denkformen gefördert und gemeinsame Hoffnungen freigesetzt werden und in denen Menschen lernen, miteinander zu lernen.“ (Schratz Michael: Pädagogisches Leadership, S. 60, Kaiserslautern 2002). Nur wenn es uns gelingt, die Lernverantwortlichkeit wieder stärker dem Lernsubjekt zurückzugeben, wird es auch gelingen, lernende Organisationen aufzubauen, das sind Organisationen des lebenslangen Lernens, in denen die Menschen ihre Arbeit und Lernprozesse selbständig planen und autonom gestalten.

Nach P. Senge ist in einer lernenden Organisation auf die Entwicklung von fünf Disziplinen zu achten: (Vgl. Senge, Peter M.: Die Fünfte Disziplin, Freiburg im Breisgau 2003)

  • Systemdenken entwickeln.

   Schule ist eingebunden in einen großen Systemzusammenhang, zu dem die 
   Lehrpersonen mit ihren individuellen Voraussetzungen die Schülerinnen und
   Schüler mit ihren individuellen familiären Hintergründen, die Eltern, die Schulleitung,
   politische Behörden, der Schulträger, u.v.a.m. gehören. Wenn wir Schule als ein System  
   sehen, das eingebunden ist in größerer Zusammenhänge, verzichten wir auf die
   Konstruktion einfacher linearer Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge und werden durch
   systemische Lösungsansätze Probleme dauerhaft lösen können.

  • Personal Mastery - Selbstführung praktizieren.

   Personal Mastery bedeutet, dass man seine persönliche Vision kontinuierlich klärt und
   vertieft, dass man seine Energien bündelt, Geduld entwickelt und die Realität objektiv
   beobachtet.

  • Mentale Modelle reflektieren

   Mentale Modelle sind tief verwurzelte Annahmen, Verallgemeinerungen oder auch 
   Bilder und Symbole, die großen Einfluss darauf haben, wie wir die Welt wahrnehmen
   und wie wir handeln. Unsere Lebenswelt ist ein Konstrukt, sie ist die von uns gelebte
   und erlebte Welt. Da es keine objektive Wahrnehmung der Wirklichkeit geben kann,  
   ist es von entscheidender Bedeutung, dass Menschen ihre mentalen Modelle miteinander 
   erkunden und austauschen, damit neue Sichtweisen entstehen und gemeinsame Visionen
   entwickelt werden können. Siebert, Horst: Der Konstruktivismus als pädagogische  
   Weltanschauung, Frankfurt/Main 2002)

  • Visionen entwerfen.

   Keine große Organisation kann auf Dauer ohne gemeinsame Ziele, Wertvorstellungen
   und Botschaften erfolgreich sein. Wenn eine echte Vision vorhanden ist (im Gegensatz
   zu den allseits bekannten Visions-Erklärungen), wachsen die Menschen über sich selbst
   hinaus: Sie lernen aus eigenem Antrieb und nicht, weil man es ihnen aufträgt.

  • Team-lernen.

  Lernende Teams lernen, gemeinsam zu erkunden, gemeinsam zu erforschen, 
   gemeinsam zu denken. Sie lernen, gemeinsam zu lernen. Und der Lern-Ort ist die 
   Schule, sie lernen an den realen Situationen und Problemen, die sie täglich antreffen.
   Der Dialog ist das zentrale Element des Team-Lernens. Die Teammitglieder müssen ihre
   eigenen Vorstellungen und Annahmen aufgeben und sich auf ein gemeinsames Denken   
   einlassen. Wichtiges Element des Dialogs ist auch Strukturen zu erkennen und zu
   thematisieren, die Team-Lernen behindern. „Nur wenn Teams lernfähig sind, kann die
   Organisation lernen.

 

Jede Komponente liefert einen lebenswichtigen Beitrag für den Aufbau einer Organisation, die wahrhaft lernfähig ist, die ihre Fähigkeiten ständig weiterentwickelt, um ihre höchsten Ziele zu verwirklichen.

Doch können Schulen überhaupt lernen? Die Antwort muss lauten: Ja.
Doch Institutionen und Organisationen können nur dann lernen, wenn auch ihre Mitglieder sich weiterentwickeln. Die Organisation muss sich zwangsläufig (mit-) entwickeln, wenn deren Mitglieder neue Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben und sich deshalb auch die Prozesse und Inhalte der täglichen Zusammenarbeit verändern.
Organisationsentwicklung und Personalentwicklung werden deshalb oft als Einheit gesehen, da zum einen strukturelle Veränderungen in der Organisation wirkungslos bleiben, wenn nicht auch die Menschen sich verändern und zum anderen Personalentwicklungsmaßnahmen ins Leere laufen, wenn nicht zugleich die Organisation sich (mit-)verändert.
Doch jeder Schulentwicklungsprozess verfehlt sein Ziel, wenn er nicht letztlich auf die Veränderung des Unterrichts zielt. Eine Lernende Schule ist unter anderem auch daran zu erkennen, dass ihre Entwicklung sich förderlich auf die Qualität des Unterrichts auswirkt.
Weder Personalentwicklung, noch Organisationsentwicklung, noch Unterrichtsentwicklung können (und dürfen) deshalb isoliert gesehen werden, sondern alle drei Bereiche sind gleichberechtigte Partner im Systemzusammenhang der pädagogischen Schulentwicklung.

Für lernende Organisation gibt es zwei große Gefahren, die es rechtzeitig zu erkennen gilt:
Dem Risiko die benötigten Qualifikationen und Ressourcen nicht rechtzeitig bereit stellen zu können, kann nur durch eine langfristige und planvolle Personalentwicklung entgegengetreten werden. Die Gefahr der Kompetenzsaturierung tritt dann ein, wenn es nicht gelingt, Stillstandsgefahren rechtzeitig zu erkennen und die nötigen Umqualifizierungsmaßnahmen, sprich Personalentwicklungsmaßnahmen, einzuleiten. Dieses Erkennen kann aber nur stattfinden im gegenseitigen Dialog. Insofern ist der Dialog, die zwischenmenschliche Kommunikation, Grundqualität einer lernenden Organisation.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 

 

 

 

 

 

   

 

 

Impressum und Disclaimer

         

Carl-Orff-Realschule plus - Kanalstraße 19 - 67098 Bad Dürkheim