Ein Leitbild für die Schule
Der Begriff Leitbild stammt aus der Wirtschaft. Trotz der zum Teil großen Unbefangenheit, ungeprüft Begriffe und Sachverhalte aus der Wirtschaftspraxis auf den Bereich der Bildung zu übertragen, scheint die Übertragung in diesem Fall gerechtfertigt.
Die Ergebnisse schulischer Leitbilddiskussion, viel wichtiger aber noch, die dadurch ausgelösten Prozesse in den Schulen, können dafür als Bestätigung dienen. Zunächst ein kurzer Exkurs in die Wirtschaftspraxis, um eine begriffliche Klärung herbeizuführen.
Leitbilder für Unternehmen
Ein Leitbild könnte man auch mit schriftlich gefasster Unternehmensphilosophie beschreiben. Die wichtigsten Ziel- und Wertevorstellungen des Unternehmens sind darin schriftlich niedergelegt. Nun benötigt eine Firma nicht notwendigerweise ein Leitbild, um zu funktionieren, aber mit der sich immer stärker durchsetzenden Erkenntnis, dass Firmen nicht nur eine Organisation haben, sondern auch eine Organisation sind, entstanden immer häufiger Leitbilder. Sie wurden zu dem Zweck erarbeitet, das Denken und Handeln der Mitarbeiter an den formulierten Grundsätzen auszurichten und die Identifikation mit der Firma zu erhöhen. Sie sind außerdem als ein Instrument der Unternehmensführung anzusehen.
Leitbilder in der Wirtschaft enthalten Aussagen zu:
- dem Betätigungsfeld der Firma,
- dem in der Öffentlichkeit angestrebten Bild,
- Produkten,
- dem Kundennutzen,
- der angestrebten Marktstellung gegenüber Wettbewerbern,
- den wirtschaftlichen Zielen,
- und außerdem auch oft Aussagen zu Führungsaufgaben, zur Stellung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Um von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden, muss das Leitbild eines Unternehmens von ihnen selbst diskutiert und erarbeitet werden. Der Prozess der Diskussion und der gemeinsamen Erarbeitung ist oft noch wichtiger als das dann vorliegende Ergebnis. Das Entscheidende ist die Klarheit der zu erreichenden Ziele. Grundlage für solch ein Vorgehen ist ein positives Menschenbild und ein kooperativer Führungsstil. Das Gegenteil dieses Vorgehens wäre die Formulierung eines Leitbilds durch eine kleine Gruppe von Führungskräften, die dieses dann auch noch ohne Diskussion für
verbindlich erklärt. Dass hiermit keine Identifikation der Mitarbeiter mit der Firma erreicht
wird, liegt auf der Hand. (vgl.: Meyer-Dohm, P.: Leitbild in der Firma – Leitbild in der Schule?. In Risse, E.(Hrsg.): Schulprogramm.Entwicklung und Evaluation. Luchterhand, 1998, S. 105 – S. 120)
Nach diesem kurzen Exkurs zurück zur Schule.
Leitbilder für Schulen
Schulen sind soziale Gebilde zum Zwecke der Erreichung gemeinsamer Ziele. Diese Ziele sind im Schulgesetz, in Verordnungen, Lehrplänen und anderen Richtlinien festgehalten. Sie beschreiben, was an Bildung und Erziehung bei den Schülerinnen und Schülern erreicht werden soll. Verschiedene Bezugsgruppen, wie Eltern, Schulaufsicht, Schulträger, verschiedene Kooperationspartner, weiterführende Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt Schülerinnen und Schüler haben bestimmte Erwartungen an eine Schule, konkret auch Erwartungen an die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer. Auf Grund der Fülle verschiedener Erwartungen und auch Anforderungen scheint es sinnvoll, dass
sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Schule über eine Grundlage gemeinsamen Handelns verständigen. In erster Linie sind es natürlich die Lehrkräfte, die vor allem ihr professionelles Selbstverständnis in einem Leitbild zum Ausdruck bringen.
In die Diskussion und Erarbeitung sollten aber auch die Schülerschaft und die Eltern als
wichtige Partner der Schule einbezogen werden.
Allgemein akzeptierte Werte und Normen, aber auch gemeinsam zu erreichende Ziele
werden so sichtbar.
Es entsteht ein Orientierungsrahmen für alle Mitarbeiter einer Schule, in dem Auskunft zu folgenden Fragen gegeben wird:
- Was für ein Schule sind wir?
- Was wollen wir erreichen?
- Welche Grundwerte bestimmen unser Handeln?
Eine Leitbildentwicklung fördert nicht nur die Konsensbildung zu pädagogischen Zielen und zu Grundfragen pädagogischen Handelns, sondern das Leitbild ist auch gleichzeitig ein Maßstab für Rechenschaft, die eine Schule nach einer bestimmten Zeit nach innen und nach außen ablegen sollte.
Anforderungen an ein Leitbild:
1. Das Leitbild einer Schule sollte langfristig angelegt sein.
2. Es sollte Ausdruck einer Entwicklungsperspektive und somit zukunftsweisend sein.
3. Es sollte Zielsetzungen im Sinne von: „Wir wollen.......“, „Wir entwickeln........“, enthalten oder Prioritäten wie: „Wir sind eine Schule, die .......“, „An unserer Schule legen wir Wert auf ..........“ setzen.
4. Ein Leitbild sollte bündig sein und klare Aussagen enthalten.
5. Ein Leitbild sollte nicht mehr als 10 Leitsätze enthalten. Diese können kurz kommentiert werden.
6. Es soll unverwechselbar und einprägsam sein. (vgl.: Philipp, E./Rolff, H.-G.: Schulprogramme und Leitbilder entwickeln. Ein Arbeitsbuch. Beltz Verlag.Weinheim und Basel, 1999, S. 70 - S. 71)
Es kann Aussagen enthalten:
- zum Bildungsverständnis,
- zu Erziehungszielen,
- zur Schulgemeinde, Demokratie, Mitbestimmung,
- zur Unterrichtsgestaltung, Methodik,
- zur Qualität des Unterrichts, zu angestrebten Lernergebnissen,
- zur Sozial- und Selbstkompetenz,
- zur Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Personengruppen,
- zur Professionalität,
- zu Kooperationen und
- zur Schulleitung, Führung der Schule (vgl.: Philipp, E./Rolff, H.-G.: Schulprogramme und Leitbilder entwickeln. Ein Arbeitsbuch. Beltz Verlag. Weinheim und Basel, 1999, S. 70 - S. 71)
Die Anlässe zur Erarbeitung eines Leitbildes können sehr verschieden sein. Es kann sich hierbei z. B. um Ereignisse handeln wie der Wechsel einer Schulleitung, die Teilnahme an Fortbildungs-veranstaltungen, Besuche anderer Schulen oder die öffentliche Diskussion über Leistungsmessungen von Schülern (aktuell: PISA) und eine sich daran anschließende Qualitätsdiskussion in der Schule. Die Folge davon kann ein bewusst eingeleiteter Reformprozess an der Schule sein. Namensgebungen,
Schuljubiläen oder die Darstellung in der Öffentlichkeit sind zunächst Ereignisse mit einer starken Außenwirkung. Sie können aber genauso Anlass sein, sich einer schulischen Bestandsaufnahme zuzuwenden und in einem nächsten Schritt in eine Leitbilddiskussion einzusteigen.
Auch für die Schule gilt: damit ein Leitbild akzeptiert und verinnerlicht wird, muss es von den Beteiligten selbst erarbeitet werden. In dem Prozess der Auseinandersetzung mit den Zielen der Schule, geltenden oder zu entwickelnden Werten und Normen wächst das Wir - Gefühl und ein umfassenderes Verständnis für die Zusammenarbeit in der Schule.
Ein Leitbild ist nur dann sinnvoll, wenn die auf dem Papier bekundeten Grundsätze im Handeln der Mitarbeiter erkennbar sind, wenn die Zielsetzungen in die Tat umgesetzt werden und dies alles regelmäßig überprüft wird. Das Leitbild muss in ein Arbeitsprogramm münden, in dem festgehalten ist, wie die erklärten Grundsätze konkretisiert bzw. Ziele umgesetzt werden.
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